Der 1-Tages-Praktikant oder So kurz war noch niemand bei uns!

In unserem Markt haben wir regelmäßig Praktikanten. Meistens Schülerpraktikanten, aber auch schonmal einfach Leute, die gucken wollen, ob Einzelhandel was für sie ist oder die eine kurze Zeit bis Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums jobbend überbrücken möchten. Diese werden bei uns immer auf der Fläche eingesetzt.

Bei mir soll es heute um einen Schülerpraktikanten gehen. Er kam vom Gymnasium. Dort war er in der Oberstufe und sollte bei uns ein 3-wöchiges Schülerpraktikum machen. Das alles erwähne ich jetzt extra, denn wenn man die Geschichte liest, denkt man später eher „Herr schmeiss Hirn vom Himmel“. Aber von vorne.

Montag morgen. 1. Tag des Praktikanten. Da er am ersten Tag nirgendwo reinkommt, muss er „erst um 8 Uhr antreten“! Er wurde von Herrn Unlust (Leiter der Frische-Abteilung und zuständig für Azubis und Praktikanten) an der Kundeninfo abgeholt und wurde mit den wichtigsten Sachen vertraut gemacht. Pausenraum, Umkleide, Toiletten, Arbeitskleidung, Praktikantenschild ect. Dazu gab es eine kurz Einweisung in seine Tätigkeit und er bekam eine Einweisung, wie man mit einem Hubwagen umzugehen hat und was er damit nicht darf. Soweit so gut…oder auch nicht.

  1. Aufgabe für den jungen Mann, den ich jetzt einfach mal Pascal nenne: Mit Holger das Eis auf dem Tiefkühllager holen und in die Eistruhen einräumen. Zu zweit klappte das noch ganz gut. Dann soll Pascal mit dem Hubwagen wieder ins Lager und die 2. Palette holen. Pascal macht sich auf den Weg. Allerdings hat er wohl bei der Einweisung für den Hubwagen nicht richtig zugehört. Er stellt sich nämlich auf den Hubwagen und rollerte damit durch den Laden. Dabei nimmt er fast ein älteres Stammkundenpaar als Hubwagenfigur mit, was ihm gleich erstmal einen kräftigen Anschiß von Herrn Unlust einbringt. Gut da die Dame sich auf den Po gesetzt hat, wurden gleich erstmal alle verfügbaren Ersthelfer zusammengetrommelt. Die Dame wird wieder auf die Beide gebracht. Zum Glück ist nichts passiert.

Die 2. Palette ist im Lager aufgegabelt und Pascal macht sich mit ihr auf den Weg zu den Tiefkühltruhen. Dabei überschätzt er wohl sein Tempo und die Kurvenlage des Hubwagens, denn er nimmt im Gang mit den Sektflaschen erstmal 3 Karton vom Champagner mit. 18 Flaschen von einer teuren Sorte (Pro Flasche knapp 50 Euro) zerschellen auf dem Boden. Vom Radau aufgeschreckt springen gleich Herr Unlust, Herr Ruhe (stellvertrender Marktleiter) und Herr Charmant (Abteilungsleiter Food) in den entsprechenden Gang und sehen die Bescherung. Pascal bekommt gleich noch eine Ansage von Herrn Unlust. Daraufhin darf er keinen Hubwagen mehr fahren und muss erstmal Doris beim Saubermachen helfen. Herr Ruhe geht dann erstmal los und schreibt knapp 900 Euro ab. Seine Laune ist für den Rest des Tages auf jeden Fall unterirdisch.

Das weitere Einräumen der Eistruhen nimmt einige Zeit in Anspruch. Danach darf Pascal erstmal 30 Minuten Pause machen. Anschließend bekommt er die Aufgabe die Mülleimer in der Obst und Gemüseabteilung einzusammeln, auszuleeren und sauber zu machen. Danach soll er sich mit neuen Müllbeuteln befüllen und in der Abteilung wieder an ihren Platz bringen. Die Eimer sind noch nichtmals eine Woche alt. Sie sind gerade neu angeschafft. 6 dieser Tonnen haben wir in der Abteilung plaziert und jeder ist knapp 100 Euro wert.

Wir wissen alle bis heute nicht, was an dieser Anweisung von Herrn Unlust nicht zu verstehen ist. Auf jeden Fall kommen alle 6 Mülleimer auf der Rampe an, aber nie wieder zurück in den Laden. Was war passiert? Pascal hat alle 6 Eimer mit Schwung in die Müllpresse geschmissen und da diese nun voll war, die Presse auch noch angestellt. Die Reste sah Herr Ruhe nur noch klein gepresst verschwinden. Herr Ruhe, der nun eigentlich wirklich ziemlich ruhig ist, schwoll langsam der Kamm und Pascal bekam seinen 1. Anschiss von ihm. Unsere Kassen, die auf der ganz anderen Seite des Gebäudes fingen an zu wackeln und Kunden, die zu dem Zeitpunkt im Zoo waren erzählten, dass sogar die Affen alle stramm standen.  Danach ging Herr Ruhe dann mal weitere 600 Euro abschreiben und neue Eimer bestellen.

Für den Rest des Tages (noch waren 3 Stunden Arbeitszeit für Pascal zu überstehen) sollte er eine Aufgabe bekommen, bei der man möglichst nichts falsch machen kann. Er sollte mit dem Ordnungsdienst raus und Einkaufswagen einsammeln. Dies tat er auch mit Begeisterung. Leider drückte der eigentliche Ordnungdienst Pascal dann die Zieh- und Schiebehilfe in die Hand. Pascal schob also mit Schwung die Wagen über den Parkplatz. Leider mit soviel Schwung das er nicht mehr die Kurve bekam und leider ein Kleinwagen im Weg stand. Also knutschten Einkaufswagen und Kleinwagen, was nicht nur eine kleine Beule im Auto hinterlies, sondern auch gleich noch Rücklichanlage hinten rechts auf den Boden zwang. Schadeshöhe ist mir jetzt unbekannt, aber es werden bestimmt nicht nur 100 Euro gewesen sein. OK wir sind zwar versichert aber trotzdem. Das die Besitzerin des Auto dann fast noch in Ohnmacht gefallen ist und die Ersthelfer dringend auf dem Parkplatz gebraucht wurden, muss ich jetzt nicht noch zusätzlich erwähnen. Pascal musste draufhin bei Herrn Ruhe im Büro antreten. Eigentlich hätte er noch 1 Stunde arbeiten sollen.

Allerdings hat Herr Ruhe ihm nicht gerade leise zu verstehen gegeben, dass dies heute nicht nur der 1., sondern auch gleichzeitig der letzte Tag von Pascal bei uns gewesen ist, weil die 3 Wochen sonst einfach zu teuer für uns werden. Pasacal musste als gleich wieder alles abgeben, was er heute morgen bekommen hatte und bekam einen Brief für die Schule mit.

So kurz war noch nie ein Praktikant bei und und es gab schon einige, die sich nicht ungedingt ruhmreich angestellt haben. Was machen in ihren Köppen haben, fragt sich jetzt nicht nur

Stine die Biene

Veröffentlicht von

stinediebiene

weiblich, irgendwo aus Niedersachsen, geschlüpft in den 70zigern, im schönsten Job der Welt mit dem besten Team und den verrücktesten Kunden

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