Kindererziehung = Glückssache !?! #2

An einem sehr vollen Montag in der Mittelschicht stand irgendwann so gegen 15:15 eine – etwas überfordert wirkende – Mutter mit 2 Kindern und sehr vollem Einkaufswagen bei mir an der Kasse. Vor ihr eine weitere Frau mit 2 Kindern und bei mir gerade am Bezahlen ein  Paar. Die Frau hatte ein Mädchen von ca 7 Jahren bei sich, welches ich jetzt einfach mal Tilda nenne und einen Jungen von ca 3 Jahren, welchen ich jetzt einfach mal Kai nenne.

Ich wurde erst auf die Familie aufmerksam, als während des Bezahlvorganges des Paares bei mir an der Kasse ein Schatten nach vorne stürmte und mir etwas auf den Scanner knallen wollte und die Mutter diesen Schatten packte, hochhub und ihn anmaulte: „Nein Kai, wir sind noch nicht dran. Du bleibst jetzt hier stehen.“ Die Mutter sagte zwar noch was, aber was das war konnte keiner mehr verstehen, denn Kai kreischte in einer hohen Frequenz los. Sämtliche Gläser in der Gastro zersprangen.

Dann sollte Kai seinen Joghurt den er in der Hand hatte auf das Kassenband stellen. Er stellte ihn nicht, sondern warf ihn  und er knallte kurz vor dem Kassenband auf den Boden und ging kaputt. Mutter: „Toll Kai. Jetzt ist er kaputt!“. Sie bat mich um Küchenpapier und machte den Boden sauber. Ich nahm einen Knotenbeutel und lies sie da den Joghurt und das benutzte Küchenpapier reintun und verschloss ihn und legte in unter meine Kasse. Die Kassenaufsicht würde ihn später abholen und abschreiben.

Das Paar war nun mit Bezahlen fertig und ich widmete mich der Frau, die mit 2 Töchtern anstand und dessen Einkauf. Kai hatte sich nun erstmal beruhigt. Leider bemerkte er, dass sein Joghurt fehlte und wollte losrennen einen neuen Joghurt holen. DAS verbot aber seine Mutter und sie hob ihn in den mittlerweile halb geleerten Einkaufswagen. Die Sirene von Kai ging gleich wieder los. Die Gläser in der etwas entfernten Bäckerei zersprangen nun auch. Gleichzeitig fing Kai an seine Mutter zu hauen und aus dem Wagen zu klettern. Das verhinderte die Mutter nun, indem sie ihn wieder raushob und Kai gleich losrannte zu den Quängelsüßigkeiten an der Nachbarkasse.

Die Frau, deren Einkäufe ich gerade scannte, schüttelte nur den Kopf und guckte die Mutter von Kai böse an. Naja ihre beiden Töchter (ca 6 und 8 Jahre alt) standen auch ganz lieb am Ende des Kassentisches und warteten darauf, dass ihre Zeitschriften und ihr Kaugummi über den Scanner gezogen wurden.

Kai kam mit mehreren Süßigkeiten wieder und verteidigte sie mehr oder weniger nicht erfolgreich gegen seine Mutter. Ein Schokoriegel landete auf dem Kassenband. Des Rest brachte die Mutter wieder weg. Das gefielt Kai aber gar nicht und er kreischte wieder los. Die Scheiben des Frisörsalons gegenüber klirrten nun schon sehr verdächtig und auch die Scheiben der Apotheke waren nicht mehr die Sichersten. Mittlerweile leidete nicht nur ich unter Tinitus, sondern auch mehrere Kunden guckten den Jungen und die Mutter sehr böse an.

Mit der Kundin davor war kein vernüftiges Bezahlgespräch möglich, da es durch den nächsten Kreischanfall unterbrochen wurde. Der fehlende Joghurt wurde bemerkt. Ich hob draufhin den Beutel mit dem kaputten Joghurt hoch und meinte zu Kai: „Guck mal. Der ist hier in der Tüte. Der ist kaputt!“. Zumindest hatte ich jetzt die Aufmerksamkeit des Jungen und ich muss wohl so interessant gewesen sein, dass das Kreischen unterbrochen wurde….herrlich diese Ruhe…..

Sie währte nicht lange. Die Kundin mit den beiden Töchter war nun fertig und nun kam die Mutter dran. Während sie Tilda ganz brav an den Kassentisch stellte und wartete, rannte Kai wieder zu den Süßigkeiten. Die Mutter schnappten ihn aber noch rechtzeitig und trug ihn, während sie den Einkaufswagen weiterschob, durch die Kasse. Kai gefiel das leider gar nicht und es folgte der nächste Kreischanfall. Nun zersprangen auch die Gläser in der Haushaltswarenabteilung.

Ich zog also die Waren über den Scanner und es viel mir mittlerweile echt schwer mich zu konzentrieren. Meiner Kollegin gegenüber ging es nicht besser. Tilda bekam eine Zeitschrift und ein Ü-Ei und einen Kinderriegel. Kais Ü-Ei war schon aufgegessen und ich hatte nur noch das Papier auf dem Kassenband, was ich dann wegwarf. Dann kam Tildas Joghurt über den Scanner und Kai fiel ja nun auf, dass er keinen mehr hatte. Er versuchte sich den Joghurt seiner Schwester zu schnappen, was diese mit einem: „Nein das ist meiner. Deiner ist kaputt.!“ kommentierte. Nun das war so gar nicht die Antwort, die Kai hören wollte und er lag kreischend zwischen Kasse und Genusswelt. Die Flaschen im Getränkemarkt im anderen Gebäude gaben nun nach und zerplatzen.

Die Mutter packte die Einkaufe ein und dann kam der Kinderriegel für Kai über das Band, den er vorhin noch draufpacken durfte. Der Anblick dieses Riegels lief Kai sofort aufspringen und er grabschte nach dem Riegel. Die Mutter erlaubte beiden Kindern nun den Riegel aufzumachen und zu essen. Kai entdeckte nun, dass dieser gebrochen war und…ja…es kam was kommen muss…..und nun wären meine Ohren echt über Ohrstöpsel froh gewesen. Die Kundeninfo erhielt schon einen Anruf aus dem Zoo, ob zufälligerweise ein Affe ausgebrochen wäre und bei uns kreischend durch den Laden toben würde. Die ersten Kunden hielten sich die Ohren zu.

Als Tilda dann ihren Schokoriegel zeigte und sagte: „Guck mal. Der ist auch zerbrochen.“ trat wieder Ruhe ein. Leider währte die nicht lange. Denn als der Einkauf abgeschlossen war und Kai mit zum Auto wollte, hatte der die Sushiboxen in der Genusswelt entdeckt und wollte unbedingt eine haben (vermutlich ohne zu wissen, was das ist). Nachdem die Mutter ihm diese verweigerte und als Belohnung (!!!!) für das Benehmen (wenn das Gutes Benehmen war, frage ich mich, was schlechts Benehmen bei diesem Bengel ist) etwas Süßes aus der Bäckerei an. Der nächste Kreischanfall lies nicht lange auf sich warten. Das Glas unserer Scanner gab nun langsam auch nach. Doch bevor Schlimmeres passieren konnte, traten die 3 den Weg zum Bäcker an.

Die Kunden und die Kassiererinn waren über diesen Abzug sehr erleichtet und die Mitarbeiterinnen der Bäckerei taten mit leid.

Ich muss nun leider aufhören zu schreiben und muss dringend Ohropax kaufen gehen. Meine Ohren werden nämlich noch gebraucht.

 

Stine die Biene

Veröffentlicht von

stinediebiene

weiblich, irgendwo aus Niedersachsen, geschlüpft in den 70zigern, im schönsten Job der Welt mit dem besten Team und den verrücktesten Kunden

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