Betrugsversuch – Zu was Kolleginnen fähig sind

Das man manchen Kollegen/innen nur vor den Kopf schauen kann und nicht ihre Gedanken kennt, das lehrt der heutige Artikel. Ansonsten hätte so einiges verhindert werden können.

Wir hatten eine sehr nette Kollegin (und ja die Betonung liegt hier wirklich auf hatten). Sie war Anfang 20, hat 2 kleine Kinder und lebte mit ihrem Partner zusammen. Ich nenne sie jetzt einfach mal Alexa. Sie war sehr nett, bei Kunden und Kollegen beliebt und immer nett und freundlich. Sie war allerdings auch sehr rausgeputzt. Teure Markenklamotten, künstliche Fingernägel, Permanent Make-Up, ging mindestens 5 mal die Woche ins Sonnen- und ins Fitneßstudio und hatte – bevor sie bei uns anfing – „nur“ einen Putzjob. Sie arbeitete bei uns „nur“ 61 Stunden im Monat und war laufend am fragen, ob sie nicht mehr Stunden machen könne, was aber aufgrund fehlender Kapazitäten abgelehnt wurde. Und nein ich möchte die Ex-Kollegin nicht auf ihr Äußeres reduzieren oder runtermachen, sondern auf ihren Lebenstil hinweisen. Sie bekam z. B. von ihrem Freund zum Valentinstag mal eben neue Augenbrau für 400 Euro (!!!!!) und wir fingen uns alle an zu fragen, wie man sich so ein Leben, von knapp 600 Euro plus Kindergeld leisten kann und die Gerüchteküche fing an zu brodeln. Wir sollten die echte Antwort aber noch bekommen………Wir wussten nur, dass der Detektiv ein Auge auf sie geworfen hatte (Nein nicht im sexuellen Sinne) und sie genauer beobachtete.

Es war Montag und wir mussten Spätschicht arbeiten. Da eine Kollegin krank war, saß ich schon ab 15 Uhr (anstatt 16  Uhr) an der Kasse und meine Arbeitszeit ging bis 20 Uhr. Da Montags immer gut zu tun ist, waren 5 Kassen besetzt. Dazu machte Ricarda Kassenaufsicht. Um 15:30 tauche Alexa an meiner Kasse auf und kaufte sich ein Getränk für ihre Schicht, welche um 16 Uhr beginnen sollte. Während sie das tat unterhielten wir uns kurz und sie erzählte mir, dass sie eben noch in der Stadt war und in einem Markentextilgeschäft ein paar Teile für 400 Euro gekauft hat. Beeindrucken kann sie mich damit nicht….ich wunderte mich nur. Aber gut…

Ab 16 Uhr saß Alexa dann hinten an der vorletzten Kasse. Gegen 17:30 Uhr tauchte ein junger Mann im Kassenbereich auf, der 2 komplett volle…….nein übervolle Einkaufswagen vor sich herschob. Soviel ich sehen konnte gefüllt mit Textilien, Elektrosachen, Spielzeug, Lebensmittel und bestimmt noch einigen anderen Sachen. Er ging durch die komplette Kassenzone, so als wenn er jemand bestimmtes suchen würde. Da sah ich von meiner Kasse aus, wie Alexa aufsprang und mit heftigem Winken den jungen Mann auf sich und ihre Kasse aufmerksam machte.

Der junge Mann ging dann mit beiden Einkaufswagen an ihre Kasse. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich aber, dass das gerade nicht nur mir aufgefallen war, sondern einer weiteren Kollegin an einer anderen Kasse. Wir beide wechselten Blicke und überlegten, ob wir dem Ganzen nun irgendwelche Aufmerksamkeit beimessen sollten oder nicht. Allerdings nicht nur Heidi und mir war das aufgefallen, sondern auch der Detektiv hatte sich in der Textilabteilung einen guten Platz gesucht und beobachtete das Geschehen sehr aufmerksam und er telefonierte und sorgte dafür das die Kassenaufsicht Ricarda ebenfalls plötzlich in seiner Nähe auftauchte und ebenfalls die Kasse von Alexa ins Auge nahm. Die Blicke die Heidi und ich nun wechselten, verhiessen schonmal nichts Gutes……..irgendwas würde gleich passieren und das was passieren würde, war alles andere als gut……

Gut Alexa kassierte den jungen Mann ab, was bei 2 Einkaufswagen gefühlt ewig dauerte. Allerdings machte sie ihre Arbeit nicht so ordentlich, wie man dieses eigentlich tun sollte, wenn man seinen Arbeitsplatz nicht verlieren möchte. Dazu aber später mehr. Die Einkaufswagen waren dann irgendwann durch und es ging ans Bezahlen. Der junge Mann (und es gibt jetzt 2 Versionen, wer das war….1. Von ihrem Bruder der Freund oder 2. von ihrem Freund der Bruder) wollte mit Karte bezahlen (ob EC oder Kredit entzieht sich meiner Kenntnis). Nur die Karte ging nicht und ab da ging alles sehr schnell. Denn der Detektiv machte seinen Zugriff und schleppte Ricarda gleich als Zeugin mit. Die Polizei kam kurz danach und alle verschwanden mit dem Marktleiter im Büro. DAS verhieß nichts Gutes.

Kurze Zeit später standen der 2. Detektiv und eine Chefin Frau Gerecht an meiner Kasse und sperrten sie für den Kundenverkehr. Und nein ich habe nichts falsch gemacht, sondern es musste der exakte Warenwert ermittelt werden. Auf dem Kassenbon, den Frau Gerecht in der Hand hatte, standen knapp 900 Euro. Und ich erfuhr, dass die Karte, mit der der junge Mann bezahlen wollte, nicht ging, weil sie als geklaut gemeldet und gesperrt wurde. Also musste ich die kompletten 2 Einkaufswagen scannen. Es kam nachher ein Bon von etwas mehr wie 1300 Euro raus. Aufmerksamen Lesern entgeht jetzt nicht der Unterschied von über 400 Euro. Was war passiert? Den 1. Einkaufswagen hatte Alexa ganz normal gescannt. Den zweiten Einkaufswagen haben die beiden erst gar nicht ausgeräumt, sondern so durch die Kasse geschoben und dann war da ja noch die Karte, die nicht ging.

Mit dem von mir erstellten Bon verschwanden Frau Gerecht und der 2. Detetiv dann ebenfalls im Büro. Kurze Zeit später kamen die Polizisten mit dem jungen Mann und mit Alexa raus. Beiden waren die Hände auf dem Rücken gefesselt. Und damit jetzt alle von dem Schauspiel was haben, wurde die beiden an der letzten Kassen durgeführt und dann genüsslich an alle 12 Kassen langsam vorbeigeführt. Wahrscheinlich zur Abschreckung. DAS Bild war dann DAS Gesprächsthema für die nächsten 3 Wochen im Laden.

Aber damit nicht genug.

Wenige Wochen später suchte unser Tabak- und Lottoladen neue Mitarbeiter…..wer kommt dann bei uns durch die Haupttür stolziert und geht dort zum Vorstellungsgespräch? Richtig Alexa. Da sie allerdings Hausverbot hatte und die Kollegin an der Kundeninfo das wusste, wurde gleich der Detetiv gerufen. Das Vorstellungsgespräch hat Alexa in dem Shop im Büro absolviert. Als sie wieder raus kam, wurde sie gleich von unserem Marktleiter und den beiden Detektiven in Empfang genommen und gleich auf das bestehende Hausverbot hingewiesen und auch darüber aufgeklärt, dass dieses auch für die Shops gilt. Und die Chefin vom Shop wurde dann auch gleich darüber aufgeklärt, was sie denn gerade für ein „Früchtchen“ im Büro hatte.

Wie dreist man sein kann, darüber wundert sich nicht nur

 

Stine die Beine

 

 

Veröffentlicht von

stinediebiene

weiblich, irgendwo aus Niedersachsen, geschlüpft in den 70zigern, im schönsten Job der Welt mit dem besten Team und den verrücktesten Kunden

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