Kundeninformationen oder Hilfe vermisst mich denn keiner?

Unsere Kundeninformation ruft mehrmals täglich durch das Mikrofon: „Achtung eine Kundeninformation…..“ Dann werden Autokennzeichen durchgegeben oder Ehefrauen und Ehemänner ausgerufen oder Kinder haben ihre Eltern verloren. Und genau davon möchte ich Heute berichten. OK eigentlich nichts ungewöhnliches, aber die Geschichte war unglaublich.

Es war ein Donnerstag Nachmittag. Ich musste von 16-20 Uhr arbeiten. Gegen 16:30 Uhr wurde das 1. Kind ausgerufen. Der kleine Marvin (Name geändert) hatte seine Mama verloren und hat an der Kundeninformation auf sie gewartet. Soweit nicht ungewöhnliches und das Problem war wohl auch schnell gelöst.

Gegen 16:45 der nächste Ausruf: „Achtung eine Kundeninformation. Ein kleines Mädchen mit langen braunen Haaren, weiß-rot gestreiften Pullover und blauer Hose suchte ihre Mama. Sie wartet an der Kundeninformation.“ Soweit nichts ungewöhnliches.

Gegen 16:55  der gleiche Ausruf. OK wenn die Eltern jetzt im Getränkemarkt drüben waren, kann sowas mal etwas dauern.

Es wurde 17:10 und der gleiche Ausruf kam nochmals. Langsam wunderten wir uns alle schon. Fast 30 Minuten vergangen und keiner vermisst ein Kind, was noch ziemlich kein sein musste, wenn es noch nichtmals seinen Namen verraten kann oder will?

Gut es wurde 17:20 und der gleiche Ausruf. Das Mädchen schien niemald wirklich zu vermissen. Die Kundeninfo wurde unruhig und eine Mitarbeiterin und Frau Spieß vom Kassenbüro fingen im Markt an zu suchen. Bei unserer Größe kann das schonmal dauern.

Gegen 17:30 der selbst Ausruf. Diesmal zur Vorsicht gleich in Englisch hinterher (OK sehr schlechtes Englisch, aber egal), da wir auch Kunden aus den Niederlanden haben. Und gleichzeitig wurde Herr Ruhe, der stellvertretende Marktleiter zur Kundeninformation gerufen.

Gegen 17:40 noch ein Ausruf und Deutsch und Englisch. Da Herr Ruhe und Frau Spieß nun gerade an meiner Kasse vorbei kamen – Suche war immer noch erfolglos und es war mittlerweile 1 Stunde vergangen – wurde in diesem Gespräch beschlossen, dass, wenn in 10 Minuten das Kind immer noch an der Info steht, die Polizei informiert wird. Zum einen sind wir kein Kindergarten, sondern ein Supermarkt und zum anderen kann ja irgendwas nicht stimmen, wenn man immer wieder ein Kind ausruft und es keiner vermisst.

Tja dazu kam es dann aber nicht mehr. Folgendes erfuhren wir Abends zu Schichtende im Kassenbüro, weil wir natürlich nachfragten, ob niemand dieses Mädchen vermisst hat. 5 Minuten nach dem letzten Ausruf kam ganz gemütlich eine Großfamilie mit 5 vollgepackten Einkaufswagen und ca 9 weiteren Kindern auf die Kundeninformation zu und überschütterten das Kind und Frau Herbst mit einem russischen Sprachschwall (ja die 2. Mitarbeiterin an der Info spricht diese Sprache). Auf die Nachfrage, ob die Ausrufe nicht verstanden worden sind und warum man das Kind – was überings 3 Jahre alt war – nicht abgeholt hat, kam nur ein: So konnten wir mal alle in Ruhe ohne Genöle einkaufen. Die Famlie sprach es, schnappte sich das Mädchen, und ging ohne Gruß und ohne Dank aus dem Laden.

Zurück blieben kopfschüttelnd die 2 Mitarbeiterinnen der Kundeninformation, Frau Spieß, Herr Ruhe und natürlich

 

Stine die Biene

Veröffentlicht von

stinediebiene

weiblich, irgendwo aus Niedersachsen, geschlüpft in den 70zigern, im schönsten Job der Welt mit dem besten Team und den verrücktesten Kunden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.