Eine Chaosschicht oder Ja ist denn heute Montag?

Als Kunde sieht man den Supermarkt ja nur für einige Minuten und bekommt nur einen kleinen Ausschnitt mit. Wie chaotisch eine Schicht aber wirklich aussehen kann, darüber möchte ich heute einfach mal schreiben.

Wir haben Mittwoch und in der Spätschicht zwischen 16 und 20 Uhr waren 4 Kassen besetzt. Neben mir an Kasse 7 befindet sich an Kasse 6 ein männlicher Kollege, welchen ich jetzt einfach mal Harry nenne. An Kasse 9 sitzt Ayse und an Kasse 10 steht Verena. Dazu ist unsere Kassenaufsicht Jutta im Dienst und an der Info steht Frau Herbst. Die Chefin vom Dienst ist Frau Still. Das kurz zur Einführung, denn alle werden auftauchen…..

So gegen 16:30 hat Harry eine Kundin an der Kasse, welche von der SdP-Karte die Punkte abgezogen haben wollte. Leider hat sie dieses erst gesagt, als der Kassiervorgang abgeschlossen war. Tja mitdenken ist nicht immer die Stärke von Kunden, aber gut….. Harry, der noch nicht lange an der Kasse ist, versuchte ihr nun zu erklären, dass das nach dem Bezahlen nicht möglich sei. Die Kundin bestand aber darauf. Also wandte sich Harry an mich und auch ich erklärte ebenfalls, dass dieses nun nicht mehr möglich sei, außer der Bon wird stoniert und der ganze Einkauf muss nochmals über das Band.

DAS war so gar nicht die Antwort die die Kundin – Frau Ungeduld – hören wollte und sie fing das Zetern an und bestand drauf, dass die Punkte sofort abgezogen werden sollten. In seiner Not rief Harry an der Kundeninfo an und schilderte Frau Herbst sein Problem. Aber auch sie sagte nur das, was ich bereits erklärt hatte. Frau Ungeduld war mit dieser Antwort immer noch nicht zufrieden und bestand auf die Abziehung der Punkte. Das bekam nun Jutta mit und sie mischte sich in das Gespräch ein und versuchte Frau Ungeduld zu beruhigen und erklärte ihr das Ganze zum 3. Mal. Die Kunden dahinter waren noch ungeduldiger und ahnten schon, dass alles länger dauern würde und wechselten zu meiner Kasse rüber. Nachdem Jutta Frau Ungeduld nun auch nicht die passende Antwort bieten konnte, wollte Frau Ungeduld nun eine kompetente Person haben – die Chefin. Also telefonierte Jutta und kurze Zeit später stand Frau Still mit an der Kasse und erklärte ebenfalls, dass es nur die Möglichkeit gibt, den Bon zu stonieren oder aber die Punkte beim nächsten Einkauf abzuziehen. Ich weiss nicht wie sie es geschafft hat, sie hat aber weder gemalt noch getanzt, aber Frau Ungeduld nahm dann wenigstens Vernunft an und den Vorschlag es doch beim nächsten Einkauf abziehen zu lassen. Nur dann sollte sie es doch bitte rechtzeitig VORHER erwähnen. Mal sehen, ob Frau Ungeduld da beim nächsten Einkauf noch dran denkt.

Gut die Schicht geht weiter und so gegen 17:15 beschließt das EC-Gerät von Ayse den Dienst einzustellen und einfach nur noch einen weißen Bildschirm zu zeigen. Gut ärgerlich, aber das Problem lässt sich wenigstens ganz einfach mit einem Anruf erledigen. Also kommt Frau Still und fährt die Kasse einmal runter und einmal wieder rauf und nun hat das EC-Gerät auch wieder Lust zu arbeiten.

Gegen 18 Uhr habe ich dann einen Kunden, der kein Geld dabei hat. Gut kann passieren. Allerdings stellt sich mir immer die Frage, ob die Leute nicht nachgucken, wenn sie das Haus verlassen oder ob das Gehirn vor dem TV kleben bleibt. Also Jutta anrufen – wenn die für jeden Anruf heute zusätzliches Geld bekommen würde, könnte sie nach Feierabend auf jeden Fall in einem 3 Sterne Restaurant 3 Gänge zu sich nehmen. Gut Bon stoniert und den Einkauf darf sie auch gleich mitnehmen und veräumen……

Soweit so gut……..bis ca 18:45 als sich mein Ec-Gerät quer stellt und keinen Bock mehr hat. Nein leider kein weißer Bildschirm…..DAS wäre ja nicht das Problem gewesen. Die EC-Karte lässt sich nicht mehr richtig reinschieben und auch Auflegen wird verweigert. Nachdem ich nun Jutta dazu gerufen habe, müssen die Kunden leider Geld aus dem Automaten im Eingangbereich holen und bar bezahlen. Zum Glück sind es nette Kunden und somit bleibt Jutta und mir schlechte Laune und anpöbeln ersparrt. Mein EC-Gerät weigert sich danach weiterhin Karten zu schlucken….nur Auflegen ist möglich. Gut das gucke ich mir 30 Minuten lang mit an. Als Jutta dann nachfragt, ob alles problemlos geht und ich verneine, muss Frau Still zum 3. Mal an diesem Tag das Kassenbüro verlassen. Leider kann der Fehler nicht gefunden werden und so mit ich um 19:15 für 45 Minuten von Kasse 7 an Kasse 4 umziehen.

Gut für mich bedeutet das fast Feierabend, weil ich da eh kaum von den Kunden gesehen werde. Ich habe in 45 Minuten genau 9 Kunden. OK eigentlich sind es 10 aber der letzte Kunde an meiner Kasse darf ebenfalls dringend sein Hirn suchen gehen, denn auch er hat das Haus ohne Geldbörse verlassen. Da nur noch 2 Minuten bis Schichtende sind und mich keiner ablöst, wird nicht nur der Bon stoniert – wobei mir Jutta schon die Frage stellt, was heute denn nur los ist, denn auch Verena hatte mittlerweile 3 Bonabbrüche, weil die Kunden alles dabei hatten nur Gehirn für heute leider aus war und Geld scheinbar ebenso. Dafür darf ich wenigstens meine Kasse gleich schließen und zur Abrechnung in Richtung Kassenbüro verschwinden.

Während ich mich schonmal auf meinen Feierabend freue, stürmt mir Frau Still entgegen…..tja die Abrechnung wird sich wohl verzögern, denn ohne sie komme ich nicht ins Kassenbüro…..tja der Stau vor der Tür wird dann immer länger, weil 3 Kassenkräfte und die Kundeninfo eigentlich abrechnen wollen, aber Frau Still und auch Verena immer noch fehlen…..

Der Non-Food-Leiter hat dann zumindest Erbarmen mit uns und lässt uns ins Kassenbüro, sodass wir wenigstens schonmal die „Geldsklavin“ füttern können. Für den Rest müssen wir alle warten….und warten…..und warten….. mit 10 Minuten Verspätung taucht dann erst Frau Still auf und dann auch Verena. Genau um 19:59 hat Verenas EC-Gerät ebenfalls den Dienst quitiert und einen weißen Bildschirm gezeigt. Also musste auch hier die Kasse erst runtergefahren werden und wieder hoch gefahren werden. Dann allerdings musste der Bon auch stoniert werden. Nein diesmal hatte der Kunde Hirn und Geld – ok die Kreditkarte – beisammen. Aber leider hatte er 3 Gutscheinkarten auf dem Kassenbon stehen und die dürfen nicht mit der Kreditkarte bezahlt werden. Dazu musste der komplette Bon stoniert werden und Verena musste den ganzen Einkauf OHNE Gutscheinkarten nochmals eingeben, wärend der Kunde mit Frau Still am rumdiskutieren war.

So chaotisch kann Einzelhandel sein – zum Glück nicht jeden Tag. Auf einen ruhigen Feierabend freut sich jetzt nicht nur….

 

Stine die Biene

Veröffentlicht von

stinediebiene

weiblich, irgendwo aus Niedersachsen, geschlüpft in den 70zigern, im schönsten Job der Welt mit dem besten Team und den verrücktesten Kunden

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